21. April 2026

Klinikum übt Krisenfall

Krankenhäuser müssen sich in Zeiten multipler Krisen auf immer mehr bedrohliche Szenarien vorbereiten. Nicht nur potenzielle Hackerangriffe, auch der Umgang mit einer Vielzahl an Verletzten, langwierigen Stromausfällen oder gar mit Kriegsverletzten sollte deshalb ins Visier genommen und in Krankenhäusern regelmäßig trainiert werden. Im Mittelpunkt der jüngsten Krisenübung am Klinikum Aschaffenburg-Alzenau stand am gestrigen Montag ein besonderes Szenario: Geprobt wurde, wie mit einer externen Verunreinigung der Wasserversorgung nach Sabotage umgegangen wird. Die Übung ist Teil eines vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention finanzierten Pilotprojekts zu gemeinsamen Übungen von Krankenhäusern mit dem Öffentlichen Gesundheitsdienst.

Den Übungsstart läutete Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach ein. Sie betonte: „Unser Gesundheitssystem muss für Ernstfälle aller Art gerüstet sein. Die Krankenhäuser sind auf Szenarien wie einen Massenfall an Verletzten grundsätzlich gut vorbereitet. Zunehmend sind Krankenhäuser jedoch mit unterschiedlichen, teils auch neuen Krisensituationen konfrontiert und müssen sich darauf vorbereiten. Das können beispielsweise Naturkatastrophen, Cyberangriffe oder der Wegfall gewohnter Infrastruktur sein. Gerade deshalb investiert Bayern gezielt in gemeinsame Übungen mit dem Öffentlichen Gesundheitsdienst wie diese – mit dem klaren Ziel, das bayerische Gesundheitssystem noch krisenfester zu machen.“

Auch Teilnehmer von Gesundheitsamt, Feuerwehr, Katastrophenschutz, Rettungsdienst, der Polizei und aus den städtischen Ämtern begleiteten die Übung. Weitere Teilnehmende kamen vom Landratsamt Aschaffenburg, der Regierung von Unterfranken sowie der Kreisbrandinspektion Aschaffenburg.

Geschäftsführer Sebastian Lehotzki sagte: „Wir sind uns unserer Verantwortung für die Bevölkerung in und um Aschaffenburg sehr wohl bewusst und wissen, dass sich die Menschen im Krisenfall auf uns verlassen. Als sogenannte kritische Infrastruktur ist es unser Auftrag, auch für eher fernliegende Fälle gewappnet zu sein.“ Die medizinisch-pflegerische Infrastruktur habe spätestens in der Pandemie bewiesen, wie leistungsfähig sie sei. „Aber um die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger aufrecht zu erhalten, bedarf es eben auch Strom und Wasser.“

Beim Thema Strom kann eine autarke Versorgung durch Dieselgeneratoren bereits längerfristig sichergestellt werden. Das Fehlen von Wasser wird im Krankenhaus allerdings ebenfalls schnell zum Problem. „Wir haben deshalb simuliert, was zu tun ist, wenn die Wasserversorgung in Aschaffenburg nach einer Sabotage dauerhaft gestört wird“, sagte Geschäftsführer Lehotzki, der im Fall der Fälle als Leiter des Krisenstabes fungiert. Dieser tritt – streng geregelt durch entsprechende Pläne – bei verschiedenen Krisenlagen zusammen und entscheidet über das konkrete Vorgehen. Ihm gehören Mitglieder der Krankenhausleitung sowie Vertreter von Medizin und Pflege an.

Rund vier Stunden waren für dieses Krisenszenario angesetzt. Im echten Leben dauern solche Lagen natürlich wesentlich länger, während der Pandemie beispielsweise tagten die Krisenstäbe oft mehrmals täglich über viele Monate. „Wichtig ist, dass wir die Herausforderungen umfassend analysieren und Maßnahmen einleiten, bevor es dann irgendwann vielleicht zu einer echten Krise kommt“, sagte Lehotzki. Im Falle der simulierten externen kontaminierten Wasserversorgung fiel das Fazit größtenteils positiv aus. Zum einen konnte die Zusammenarbeit im Krisenstab und mit den externen Hilfsorganisationen geübt werden. Zum anderen wurden im Rahmen der Übung Ideen und Strategien entwickelt, wie in einem Ernstfall mit solchen Themen umgegangen werden kann. „Solche Simulationen zeigen, dass eine frühzeitige, vernetzte und umfassende Auseinandersetzung mit kritischen Herausforderungen einen echten Mehrwert bietet – für die Beteiligten ebenso wie für die Sicherheit der Bevölkerung“, sagte Gesundheitsministerin Gerlach abschließend.

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