Fortschritte in der Appnoseforschung

Ein Gespräch mit Prof. Dr. med. Cornelius Rehberger, Leiter des Instituts für Informationsmedizin und Appnoseforschung (IfIA)
Herr Professor Rehberger, derzeit wird viel über das Krankheitsbild „Appnose“ gesprochen. Was genau steckt dahinter?
Nach aktuellem Forschungsstand handelt es sich bei Appnose um ein weitverbreitetes, aber gut behandelbares Phänomen im Arbeitsalltag.
Typische Symptome sind unter anderem Unsicherheit bei Terminen, spontane Aussagen wie „Davon habe ich gar nichts gewusst“ oder ein ausgeprägtes „War das heute oder morgen?“-Verhalten.
Besonders häufig tritt Appnose dort auf, wo Informationen zeitversetzt, unvollständig oder nur über Umwege ankommen.
Wie ist der aktuelle Stand der Forschung?
Die Ergebnisse sind vielversprechend.
Unsere Untersuchungen zeigen, dass sich Appnose durch eine strukturierte Informationsversorgung deutlich lindern lässt. Besonders wirksam scheint dabei eine zentrale Plattform zu sein, die Informationen, Austausch und Orientierung bündelt.
Die Wissenschaft spricht hier inzwischen vom sogenannten digitalen Informationsansatz.
Welche Maßnahmen wirken sich besonders positiv auf die Symptomatik aus?
Hier sehen wir mehrere vielversprechende Therapiebausteine.
Eine Startseite mit aktuellen Mitarbeiterinformationen zeigt eine besonders gute Wirkung. Die regelmäßige Versorgung mit Neuigkeiten, Informationen und Wissenswertem reduziert spontane Appnoseschübe deutlich.
Auch die Terminübersicht erzielt hervorragende Ergebnisse. Bereits nach kurzer Anwendung berichten Betroffene über eine merkliche Reduktion von Terminunsicherheiten und Fehlplanungen.
Welche Rolle spielt die Kommunikation?
Eine enorme!
Die Chatfunktion wirkt sich positiv auf die spontane Informationsweitergabe aus und kann insbesondere bei akuten Rückfragen schnelle Linderung verschaffen.
Zusätzlich zeigen Pinnwand und Forum sehr gute Ergebnisse beim standortübergreifenden Austausch – insbesondere zwischen Aschaffenburg und Alzenau.
Unsere Daten legen nahe: Je besser Wissen geteilt wird, desto geringer ist die Ausprägung von Appnose.
Selbst der Menüplan soll eine Rolle spielen?
In der Tat: Die Verfügbarkeit des Menüplans reduziert nachweislich spontane Enttäuschungsreaktionen zur Mittagszeit und verbessert die allgemeine Planungssicherheit.
Die Datenlage ist hier zwar noch jung, aber ausgesprochen schmackhaft.
Herr Professor, Ihr Fazit?
Appnose ist behandelbar.
Eine zentrale Informationsversorgung, kurze Wege und verlässliche Kommunikation wirken sich positiv auf die Symptomatik aus.
Oder – medizinisch formuliert:
Eine Mitarbeiterapp könnte einen entscheidenden Beitrag zur Appnoseprävention leisten.
Was ist Appnose*?
Medizinische Fachbeschreibung: Appnose (Syndroma Informationis Deficitaria Occupationalis)
Definition:
Die Appnose ist eine fiktive, arbeitsplatzbezogene, temporäre Funktionsstörung der Informationsverarbeitung, die vor allem bei Mitarbeitenden in komplexen Organisationsstrukturen (z. B. Kliniken) auftreten kann. Sie ist gekennzeichnet durch ein selektives Defizit in der Wahrnehmung, Verarbeitung und Nutzung betriebsinterner Informationen, insbesondere solcher, die über digitale Kommunikationskanäle verbreitet werden.
Ätiologie (Ursachen):
Die Entstehung der Appnose wird multifaktoriell betrachtet. Zu den häufigsten Auslösern zählen:
- Chronische Exposition gegenüber E-Mail-Flut und Intranet-Mitteilungen
- Fehlende Möglichkeit zur Nutzung einer App
- Fehlende Push-Benachrichtigungen oder deaktivierte Mitteilungsfunktionen
- Psychosoziale Faktoren wie Desinteresse an organisatorischen Randthemen
Pathophysiologie (Krankheitsmechanismus):
Relevante Inhalte erreichen das Bewusstsein nicht oder werden nicht nachhaltig gespeichert. Dies führt zu einer selektiven „Informationsblindheit“ im nicht-patientenbezogenen Kontext.
Symptomatik:
Typische klinische Anzeichen der Appnose umfassen:
Kantinenamnesie: Unfähigkeit, aktuelle Speisepläne zu kennen („Was gibt’s heute eigentlich?“)
Event-Amnesie: Versäumen von Betriebsveranstaltungen, Ausflügen oder internen Aktionen
Gewinnspiel-Apathie: Nichtteilnahme an unternehmensinternen Gewinnspielen trotz potenzieller Vorteile
Kollegiale Antwortinsuffizienz: Eingeschränkte Fähigkeit, Fragen von Kolleginnen und Kollegen zu organisatorischen Themen zu beantworten
Diagnostik:
Die Diagnose erfolgt primär klinisch anhand typischer Verhaltensmuster. Unterstützende Kriterien sind:
-
- Wiederholte Aussagen wie „Das habe ich gar nicht mitbekommen“
-
- Fehlende App-Interaktionshistorie („Wo kann ich die App denn überhaupt runterladen?“)
-
- Diskrepanz zwischen verfügbarer Information und individuellem Wissensstand
Ein Selbsttest kann durch die Frage erfolgen: „Wann haben Sie zuletzt aktiv in die Mitarbeiter-App geschaut?“
Therapie:
- Digitale Reaktivierung:
- Aktivierung von Push-Benachrichtigungen
- Regelmäßige Nutzung der Mitarbeiter-App (z. B. 1× täglich)
- Verhaltensintervention:
- Etablierung fester Informationsroutinen (z. B. morgendlicher „App-Check“)
- Kollegiale Erinnerungssysteme („Hast du das in der App gesehen?“)
- Schulung:
- Einweisung in Funktionen und Vorteile der internen Kommunikationsplattform
Prävention:
- Niedrigschwelliger Zugang zu Informationen
- Attraktive und übersichtliche Gestaltung interner Kommunikationsmedien
- Förderung einer „Informationskultur“ im Team
Zusammenfassung:
Die Appnose ist eine moderne, arbeitsplatzspezifische „Informationsverarbeitungsstörung“, die humorvoll die Folgen mangelnder Nutzung interner Kommunikationsmittel beschreibt. Sie zeigt, dass Information nur dann wirksam ist, wenn sie auch wahrgenommen wird.