Nach der Leitlinie „Terminologie in der klinischen Ernährung“ der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM): „Das Mangelernährungsscreening ist ein einfacher und schneller Prozess, um Personen, die sehr wahrscheinlich mangelernährt sind oder ein Risiko für eine krankheitsspezifische Mangelernährung tragen, zu identifizieren und festzustellen, ob die Durchführung eines detaillierten Ernährungsassessments indiziert ist. Um Patienten mit einem Mangelernährungsrisiko möglichst frühzeitig zu erkennen, sollte das Mangelernährungsscreening bei Aufnahme in ein Akutkrankenhaus bei allen Patienten systematisch und routinemäßig über validierte Mangelernährungs-Screeningmethoden durchgeführt werden. Während des Krankenhausaufenthalts sollte die Überprüfung in wöchentlichen Intervallen erfolgen.“ […]
„Das Resultat des Mangelernährungsscreenings zeigt an:
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- Ob beim Patienten derzeit kein Risiko für eine Mangelernährung vorliegt; in diesem Falle sollte in regelmäßigen Intervallen eine Re-Evaluierung erfolgen.
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- Ob der Patient ein erhöhtes Risiko für eine Mangelernährung hat und damit ein Ernährungsassessment zur Abklärung der Mangelernährung indiziert ist.“
Quantitative versus qualitative Mangelernährung:
Eine quantitative Mangelernährung liegt vor, wenn die Energiezufuhr insgesamt geringer ist als der Energiebedarf. Sie wird synonym auch als Unterernährung bezeichnet und führt zu einem Verlust an Körpergewicht und einer Reduzierung der Energiereserven. Falls vorhanden, verbrennt der Körper Speicherfett, um Energie zu gewinnen. Aber auch Muskelmasse kann angegriffen werden, wodurch es zu Muskelabbau kommen kann. Die quantitative Mangelernährung betrifft aber nicht nur die Energieversorgung des Körpers, sondern auch eine ausreichende Versorgung mit allen Nährstoffen.
Während die Gewichtsabnahme ein deutliches Anzeichen einer quantitativen Mangelernährung ist, zeigt sich ein Mangel an speziellen Nährstoffen wie Eiweiß, Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen auf den ersten Blick weniger offensichtlich.1
Eine qualitative Mangelernährung wird durch eine unzureichende Zufuhr an einzelnen lebenswichtigen Nährstoffen verursacht. Es kann daher sein, dass auch Menschen mit Übergewicht eine qualitative Mangelernährung aufweisen. In vielen Fällen ist diese aber mit einer quantitativen Mangelernährung kombiniert. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung definiert die qualitative Mangelernährung nicht nur mit einem Mangel an Mikronährstoffen. Sie erwähnt explizit auch den Mangel an Eiweiß.5 Das ist für die Geriatrie besonders wichtig, da hier durch kleinere Portionen der Eiweißbedarf oft nicht gedeckt wird.
https://www.nestlehealthscience.de/resource/klassifikation-hcp
1Quelle: Schutz Y, Stanga Z: Mangelernährung und Bestimmung des Ernährungszustandes. Ernährungsmedizin – Nach dem neuen Curriculum Ernährungsmedizin der Bundesärztekammer; Biesalski H.K., Bischof St. C., Puchstein Ch; Thieme 2010; 29:450-466
Übersicht über die verschiedenen Screening-Methoden
Es gibt verschiedene validierte Screening-Methoden. Im stationären Setting verwenden wir das Nutritional Risk Screening (NRS) sowie das Subjective Global Assessment (SGA). Bei einem positiven Screening werden die im internationalen Konsens beschlossenen, „Global Leadership Initiative on Malnutrition“ (GLIM‑Kriterien) einbezogen.



Risikopatienten:
- Patienten mit onkologischen Erkrankungen: v.a. bei Tumoren des Gastrointestinaltrakts und hämatologischen Krebserkrankungen
- Patienten mit Eingriffen am Gastrointestinaltrakt
- Geriatrische Patienten
- Patienten mit neurologischen Erkrankungen, die Motorik und/oder Schlucken beeinträchtigen
- Patienten mit ungewolltem Gewichtsverlust, egal von welchem Ausgangsgewicht – Mangelernährung kann alle betreffen. Auch übergewichtige Patienten können mangelernährt sein.
In der Abbildung der Auszug aus einer relevanten Studie von Pirlich et al. (2006) für Patienten mit einem erhöhten Risiko für eine Mangelernährung:

Verlaufsbeobachtung:
- Sind bestehende/ zunehmende Ödeme bzw. Aszites erkennbar?
- Ist die Nahrungsaufnahme weniger geworden? Geht mehr vom Essen wieder zurück? Wird das Essen nicht angerührt? Wird nur noch Brei/Suppe gegessen?
- Berichtet der Patient von einem Gewichtsverlust und/oder von einer reduzierten Nahrungsaufnahme?
- Bestehen gastrointestinale Symptome – Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Kau-o. Schluckbeschwerden, ausgeprägte Inappetenz?
- Wird nicht ausreichend getrunken? Zeichen von Dehydratation?
Fallbeispiele
Quellen/ Weiterführende Links
https://www.dgem.de/sites/default/files/PDFs/Leitlinien/Terminologie.pdf
https://www.dgem.de/diagnostische-kriterien
Diagnostic criteria for malnutrition—An ESPEN Consensus Statement, Cederholm, T. et al., Clinical Nutrition, Volume 34, Issue 3, 335–340: https://www.clinicalnutritionjournal.com/article/S0261-5614(15)00075-8/fulltext
The German hospital malnutrition study, Pirlich, Matthias et al., Clinical Nutrition, Volume 25, Issue 4, 563–572: https://www.clinicalnutritionjournal.com/article/S0261-5614(06)00076-8/abstract
Individualized nutritional support in medical inpatients at nutritional risk: a randomized clinical trial, Schuetz, Philipp et al., The Lancet, Volume 393, Issue 10188, 2312–2321: https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(18)32776-4/abstract
Ernährung DGf (2018) DGE-Praxiswissen: Mangelernährung in Kliniken Deutsche Gesellschaft für Ernährunge. V., S36